Schlagzeilen

Interessantes aus der Welt der Luft- und Raumfahrt (medizin)

Für Sie gesammelt.

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Hier gibt es Neues (nicht nur) aus der Welt der Luft- und Raumfahrt. Sorgfältig ausgewählt aber natürlich ohne Gewähr.

Spaziergang??

Der Begriff Weltraumspaziergang oder englisch Spacewalk suggeriert einen romantisch entspannten Ausflug. In Wirklichkeit ist das ein kräftezehrender Arbeitseinsatz in lebensfeindlicher Umgebung. Mit "gehen" hat das auch nichts zu tun. Der Fachbegriff dafür ist daher auch weniger romantisch: Extravehicular Activity, kurz EVA. Und manchmal scheitert Raumfahrttechnik an erstaunlich irdischen Problemen: So brauchte eine ISS-Antenne gleich zwei EVAs. Beim ersten Versuch am 18. August leisteten Anil Menon und Sophie Adenot Schwerstarbeit, dennoch ließen sich Kabel und Bolzen der defekten Hochgeschwindigkeitsantenne nur schwer lösen, sodass die Zeit für den Einbau des Ersatzes nicht mehr reichte. Am 25. August mussten sie daher erneut in ihre Raumanzüge steigen – diesmal gelang die Installation nach 6 Stunden und 30 Minuten. Und schon wenige Tage später ging es für Sophie Adenot, zusammen mit Jessica Meir noch einmal hinaus. Diesmal mussten ein Reflektor und eine Kamera ausgetauscht und einige Kabel verlegt werden. Dem Vernehmen nach hat diesmal alles geklappt.

Stand: 03.09.2026

Quelle: NASA

Selten, aber tödlich: Flughafenmalaria

Wer denkt schon bei Grippesymptomen an Malaria, wenn gar keine Tropenreise stattgefunden hat?

Die Flughafenmalaria führt ein Fußnotendasein, aber sie kommt vor. Jetzt hat eine im Flugzeug eingeschleppte und infizierte Anopheles-Mücke am Frankfurter Flughafen zwei Todesopfer gefordert. Insgesamt waren sechs Personen erkrankt. Die Prognose einer Malaria tropica ist ohnehin problematisch, aber wenn sie erst spät erkannt wird, ist die Letalität hoch.

Bei grippeähnlichen Symptomen fragt man ja gerade im Sommer regelmäßig nach stattgehabten Fernreisen, man sollte diese Frage unbedingt mit der Berufs- und Wohnumfeldanamnese ergänzen.

Und wer am Flughafen arbeitet, darf bei einer ärztlichen Untersuchung wegen eines vermeintlichen Infektes gerne darauf hinweisen.

Lange Warmperioden erhöhen darüber hinaus die Gefahr, dass eingeschleppte Mücken auch länger überleben.

Stand: 27.08.2026

Quelle: eigener Bericht

EEG vor der Fahrt?

Zwei EEG-Elektroden könnten Müdigkeitsrisiko beim Fahren vorhersagen.

Eine Studie der Universität Bordeaux untersuchte 40 Personen nach fragmentiertem bzw. vollständigem Schlafentzug. Ein KI-Modell erkannte anhand des Ruhe-EEG später „sichere“ oder „riskante“ Fahrleistungen im Simulator mit bis zu 82 % Genauigkeit. Bemerkenswert: Bereits zwei Ableitungen, Cz und Pz, lieferten reproduzierbare Ergebnisse.

Sadatnejad et al. veröffentlichten in Nature eine entsprechende Studie. Dennoch dürften wir deutlich davon entfernt sein, vor Antritt der Fahrt zwei Elektroden am Kopf zu befestigen, um unsere Schläfrigkeitswahrscheinlichkeit vorhersagen zu lassen.

Aber findige Entwickler von Fahrassistenzsystemen werden die Studie sicher aufmerksam lesen. 

Stand: 25.08.2026

Quelle: https://doi.org/10.1038/s41598-026-64300-6

Mars-Spaziergänge - eine staubige Angelegenheit

Wie Mondstaub könnte auch Marsstaub zu einem relevanten Gesundheitsrisiko künftiger bemannter Missionen werden. Die sehr feinen Partikel können nach Außenbordeinsätzen mit Raumanzügen in Habitate gelangen und eingeatmet werden. Ihre Toxizität ist bislang nur unvollständig bekannt: Echte Marsstaubproben stehen nicht zur Verfügung, sodass NASA Daten von Rovern, Regolith-Simulanzien und Erkenntnisse zur Toxikologie von Mondstaub heranzieht. 

Eine NASA-Arbeitsgruppe hat deshalb erstmals einen vorläufigen Expositionsgrenzwert festgelegt: Für Marsstaubpartikel unter 10 µm soll die Konzentration in der Atemluft bei Aufenthalten bis 30 Tage im 24-Stunden-Mittel 0,1 mg/m³ nicht überschreiten. Der bewusst konservative Wert berücksichtigt die erheblichen Wissenslücken zur tatsächlichen Zusammensetzung und Toxizität. Besondere Bedeutung haben kurzzeitige Belastungsspitzen nach Außenbordeinsätzen. Der Grenzwert beeinflusst damit unmittelbar die Konstruktion von Schleusen, Raumanzügen, Filtersystemen und Habitaten. Mit neuen Messdaten und künftig verfügbaren Marsproben soll er fortlaufend überprüft werden.

Stand: 12.08.2026

Quelle: https://www.nasa.gov/general/establishing-crew-exposure-limits-of-martian-dust/?utm_source=chatgpt.com

Zunehmend aggressiv

Wer schon immer das Gefühl hatte, dass das Verhalten im Straßenverkehr zunehmend von Aggressivität geprägt ist, darf sich bestätigt fühlen. In drei Erhebungswellen (2016, 2019, 2023) haben Kröling et al. in einer repräsentativen Längsschnittstudie Daten zum selbst- und fremdbeobachteten aggressiven Verhalten von Pkw-Fahrenden erhoben. Im Beobachtungszeitraum stiegen die Mittelwerte der selbstberichteten Aggression signifikant an. Interessant aber, dass bei anderen noch viel mehr aggressives Verhalten beobachtet wird, als bei sich selbst.

Aggression im Straßenverkehr kann lebensgefährlich sein. Denn wer sich aggressiv verhält, darauf weisen die Autorinnen hin, nimmt ja zumindest in Kauf, anderen Schaden zuzufügen.

Teil der Prävention sind auch Investitionen in die Infrastruktur, um Konflikte im begrenzten Verkehrsraum zu vermeiden. Männliches Geschlecht und hohe Jahresfahrleistung sind häufiger mit Aggressionen assoziiert. Alter ist hingegen ein negativer Prädiktor.

Das kann man ja mal mit den eigenen Erfahrungen abgleichen...

Stand: 07.07.2026

Quelle: Zeitschrift für Verkehrssicherheit 3/2026, S. 192 ff

Handy-Blitzer werden scharfgeschaltet

Die Auswertung der Destatis-Daten durch den Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) zeigt einen Anstieg von Ablenkung als Unfallursache. Die Zahl der Beteiligten, bei denen Ablenkung als eine der Unfallursachen festgestellt wurde, stieg von rund 8.700 im Jahr 2024 auf etwa 9.500 im Jahr 2025. Das entspricht einem Plus von etwa neun Prozent. „Wir müssen allerdings von einer deutlich höheren Dunkelziffer ausgehen“, sagt Manfred Wirsch, der Präsident des DVR. „Ablenkung am Steuer ist schwer nachweisbar, und viele Fahrerinnen und Fahrer geben sie aus Angst vor einem höheren Strafmaß nicht an.“

Der DVR fordert deshalb, den Einsatz kamerabasierter Systeme zur Erkennung von Verstößen gegen das Nutzungsverbot elektronischer Geräte am Steuer („Handy-Blitzer“) auszuweiten. Rheinland-Pfalz hat deren Einsatz nach einer Änderung des Landespolizeigesetzes ermöglicht und die Systeme nach einer Testphase inzwischen im Regelbetrieb eingeführt. Weitere Bundesländer sollten diesem Beispiel folgen.

Quelle: DVR-Pressemeldung vom 07.07.2026

Medizinische Versorgung unterwegs

Mit der Gesundheit von Lkw-Fahrenden im grenzüberschreitenden Verkehr befasste sich das internationale Symposium "Gesundheit im Blick" im Juni in Hamburg. Die Sektion Transportwesen der Internationalen Vereinigung für Soziale Sicherheit beleuchtete nicht nur die Herausforderungen der medizinischen Versorgung unterwegs, sondern zeigte auch den Einfluss der Lebensbedingungen von Fahrpersonal im Fernverkehr auf die gesundheitliche Prognose. Aber auch Lösungen wurden vorgestellt. Eine davon ist "DocStop", eine Initiative, die es Lkw-Fahrenden ermöglicht, bei Bedarf rasch auch unterwegs medizinische Hilfe zu bekommen. Bei Rastanlagen stehen Sicherheit und Hygiene nach wie vor im Fokus. Wie Dr. Jörg Hedtmann in seiner Zusammenfassung der Tagung betonte, tut man auch den Männern einen Gefallen, wenn man das Arbeitsumfeld so gestaltet, dass sich auch Frauen in diesem herausfordernden Beruf wohl fühlen. Das wäre auch im Hinblick auf den Fahrpersonalmangel dringend erforderlich.

Quelle: eigener Bericht vom ISSA-Symposium "Gesundheit im Blick"

Spaceflight Associated Motion Sickness

Erst kürzlich veröffentlichte die NASA (Macaulay et al.) Daten, nach denen die Astronauten und Astronautinnen die Übelkeit nach Rückkehr zur Erde, die sogenannte Terrestrial Readaptation Motion Sickness (TRMS) deutlich unangenehmer empfinden, als die SMS (Space Motion Sickness), die etwas 60% aller Raumfahrenden betrifft. Neue Erkenntnisse, die auf der Jahrestagung der Aerospace Medical Association (AsMA) vorgetragen wurden (Blue et al.) zeigen darüber hinaus, dass nicht vorhersagbar ist, wen die SMS befällt. Darüber hinaus scheint jeder Versuch der Prophylaxe die Sache noch schlimmer zu machen. Daher soll erst beim Auftreten von SMS oder TRMS vorzugsweise mit Promethazin behandelt werden.

Quelle: eigener Bericht von der AsMA Conference 2026

Aus vier mach' Wissenschaft

Vier Astronauten – statistisch ein Albtraum: 

Die NASA weist selbst darauf hin, dass Artemis II aus wissenschaftlicher Sicht eine enorme methodische Herausforderung ist: Viele medizinische und psychologische Analysen müssen aus Daten von nur vier Menschen gewonnen werden. Raumfahrtmedizin arbeitet damit oft näher an der Einzelfallforschung als an klassischer Epidemiologie.

Deshalb sucht die NASA jetzt nach erfolgversprechenden Methoden, wie man die Daten sinnvoll auswerten kann und hat dafür auch Geldpreise ausgelobt. Noch bis zum 05. Juni konnte man sich bewerben. Kleiner Haken: Die amerikanische Staatsbürgerschaft ist Voraussetzung.

Quelle: NASA - https://www.nasa.gov/hrp/researchers-how-would-you-extract-meaningful-insights-from-just-four-astronauts/?utm_source=chatgpt.com

Auch AVATAR flog um den Mond

Mit AVATAR (A Virtual Astronaut Tissue Analog Response) hat die NASA der Artemis-Besatzung sogenannte Organchips oder Gewebechips mitgegeben, um die Auswirkungen der Raumstrahlung und Mikrogravitation auf die menschliche Gesundheit zu untersuchen. Die Chips enthalten z.B. Knochenmarkszellen der Astronauten. Ein weiterer Chip bleibt auf der Erde. Die Veränderungen können so im direkten Vergleich beobachtet werden. Diese neue Technologie wurde auf der NASA-HRP-IWS-Konferenz Anfang April 2026 vorgestellt.

https://science.nasa.gov/biological-physical/investigations/avatar/

9 Monate statt 14 Tage im All

NASA stuft den astronautischen Boeing-Starliner-Testflug 2024 nach Triebwerks- und Andockproblemen nun als  „Type-A-Mishap“ ein. Diese Einstufung in die gleiche Kategorie wie die Challenger und Columbia-Katastrophen spricht dafür, dass dieser Flug ungemütlicher war, als bisher veröffentlicht. Ursachen waren Hardwarefehler, Qualifikations- und Führungsdefizite. Der nächste Starliner-Flug soll nach diversen Veränderungen spätestens im April 2026 stattfinden - allerdings nur als Frachtflug.

https://www.nasa.gov/wp-content/uploads/2026/02/nasa-report-with-redactions-021926.pdf?emrc=76e561

Verordnung ermöglicht Betrieb von ferngelenkten Fahrzeugen

Die Straßenverkehr-Fernlenk-Verordnung (StVFernLV) schafft erstmalig einen Rechtsrahmen zum Betrieb von ferngelenkten Kraftfahrzeugen auf öffentlichen Straßen. Fernlenken („Teleoperation“) bedeutet, dass eine Person ein Fahrzeug steuert, indem sie sich außerhalb des Fahrzeugs in einem Leitstand befindet.

Für diese Personen werden in der Verordnung auch Eignungskriterien beschrieben. Dazu mehr in unserem "Update Verkehrsmedizin".

https://www.bmv.de/SharedDocs/DE/Pressemitteilungen/2025/038-hirte-fernlenkverordnung.html?nn=76092

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